Abschied von der großen alten Dame der Kattas
Freude und Leid liegen manchmal nah beieinander und so mussten wir uns kurz nach der Geburt ihres ersten Urenkels von unserer alten Katta-Dame Chloe verabschieden. Am 28.03.25 hat sie uns im Alter von fast 24 Jahren verlassen müssen.
Chloe, geboren am 30.03.01 im Zoo Magdeburg, war am 23.07. 03 mit Männchen Nikos aus ihrem Geburtszoo zu uns nach Gettorf gezogen. Mit ihm wurde sie Stammutter unserer aktuellen Kattagruppe, ihre Tochter Kirindy ist die Mutter unserer beiden jüngeren Weibchen Sahy-Sahy und Alintaona. Auf dem Bild links aus dem Jahr 2005 ist Chloe rechts hinten mit einem Jungtier auf dem Rücken zu sehen. Seit diesem Jahr waren sie und Kirindy nach dem Auszug von Nikos mit dem Männchen Hero zusammen, der aus dem Zoo Karlsruhe zu uns gekommen war.
Schon 2007 wurde erkennbar, das Chloe Probleme mit den Augen hatte: ein erster trüber Herd wurde in der linken Linse sichtbar, der sich immer weiter ausweitete, bis Chloe im Jahr 2012 auf dem linken Auge vollständig erblindete. Entgegen allen Hoffnungen zeigte sich nur ein Jahr später auch im rechten Auge eine vergleichbare Trübung. Dessen ungeachtet nahm sie, wie alle anderen Kattas, weiterhin gerne am täglich stattfindenden Klickertraining teil.
Als sie 2016 vollständig erblindete, standen die Pfleger vor einer schweren Entscheidung: würde die Behinderung ihr noch eine lebenswerte Existenz ermöglichen oder sollte man sich im Sinne des Tieres lieber dagegen entscheiden, um ihr unnötiges Leiden zu ersparen?
Die Tierpfleger entschlossen sich, es weiter mit ihr zu versuchen und Chloe zeigte in den nächsten Jahren, dass die Blindheit für sie eine absolut händelbare Herausforderung darstellte. Die (wie bei Kattas üblich untergeordneten) Männer in der Gruppe konnte sie immer noch zurechtweisen, ihr Futter und ihren Weg im Gehege fand sie mithilfe von Ohren, Nase und Tastsinn und als Matriarchin musste sie zwar ihre Spitzenposition als Gruppenchefin an ihre Tochter Kirindy abgeben, blieb aber sonst allseits akzeptiertes Mitglied der Gruppe.
Nachdem sie von einem Handsignal auf ein Geräuschsignal umtrainiert worden war, konnte sie sogar weiterhin fast ohne Einschränkungen am Tiertraining teilnehmen, was sie auch vehement einforderte, indem sie sich sofort auf den Weg machte, sobald die üblichen Geräusche des Trainings im Gehege zu vernehmen waren. Da saß sie dann erwartungsvoll vor einem und wartete darauf, endlich etwas zu tun zu bekommen.
2020 wurde zusätzlich zur Linsentrübung auch noch eine Vergrößerung des linken Auges erkennbar, was auf einen Grünen Star hindeutete, der den Augeninnendruck ansteigen lässt. Seit dieser Zeit bekam Chloe im Rahmen des Trainings regelmäßig Augentropfen, die sie zwar unangenehm fand, mit entsprechender Belohnung aber hinnahm, und die ihr noch einige weitgehend beschwerdefreie Jahre ermöglichten.
Am 17.03.25 konnte sie sogar noch die Geburt ihres ersten Urenkels von unserem Weibchen Alintaona miterleben. Anders als die anderen Gruppenmitglieder wurde Chloe von ihrer Enkeltochter von Anfang an sehr stark einbezogen und diente der jungen und unerfahrenen Mutter in den ersten Wochen als starke emotionale Stütze.
Leider war aber schon seit dem Jahreswechsel nicht zu übersehen, dass Chloe körperlich zusehends abbaute. Mit fast 24 Jahren hatte sie sowieso schon ein stattliches Alter erreicht. Nahm man dazu, dass sie aufgrund ihrer Behinderung nur langsam und bedächtig klettern konnte und daher bei weitem nicht so viel unterwegs war wie die anderen Tiere, war es kein Wunder, dass sie körperlich immer schwächer und unbeweglicher wurde.
Wenige Tage vor ihrem 24. Geburtstag fiel es den Pflegern plötzlich auf, dass Chloe (wahrscheinlich infolge eines Absturzes von einem Kletterast) erkennbar Schmerzen hatte, sich fast nicht mehr bewegen konnte und selbst gegenüber ungeliebten Personen gar keine Abwehr mehr zeigte. Die herbeigerufene Tierärztin sah daher keine andere Möglichkeit, als die alte Dame am 28.03.25 zu erlösen.
Wir behalten Chloe als willensstarke Kämpferin in Erinnerung, die uns gezeigt hat, dass selbst schwere körperliche Einschränkungen kein Grund sind, sich aufzugeben. Für ihre Familie war sie bis zuletzt der Ruhepol und Fels in der Brandung, zu dem man immer kommen konnte, egal wieviel Stress man gerade mit dem Rest der Gruppe hatte.
Auf unserer Webseite nutzen wir eine Karte von Openstreetmap. Wenn Sie die Karte sehen wollen, drücken Sie bitte auf den untenstehenden Knopf.